Jahresende: Zeit für den obligatorischen Blick in die Social Media Glaskugel. Wagen wir also mal einen praxisnahen Ausblick auf das, was in 2018 auf uns zu kommt.

Influencer Marketing (I)

Influencer – DAS Social Media Buzzword in 2017. Influencer Marketing ist Mainstream geworden und mittlerweile auch aus dem Inhaltsverzeichnis der W&V nicht mehr wegzudenken. Erkenntnisse aus diesem Jahr:

  1. Es ist nicht leichter geworden, die Fake-Spreu vom echten Weizen zu trennen.
  2. Ohne Geld läuft mittlerweile gar nichts mehr.
  3. Die hohe Nachfrage nach Influencern treibt die Preise und begrenzt Verfügbarkeit und Engagement.

Für manchen kaum zu glauben: Glaubwürdiges und kreatives Marketing geht tatsächlich auch ohne Influencer. In 2018 sollte man sich mehr denn je überlegen, warum genau man mit Influencern kooperiert, welche konkreten Ziele sie erfüllen helfen und wer am besten zur Marke passt.

Es bleibt abzuwarten, wie lange Konsumenten den immer austauschbarer werdenden Werbebotschaften ihrer Instagram- oder YouTube Stars vertrauen. Und wer die entstehende Glaubwürdigkeitslücke dann füllt. Wir sagen schon heute ein Revival der Marke als starker und glaubwürdiger Experte voraus. Vielleicht sogar mit eigenen Mitarbeitern als glaubwürdigen Markenbotschaftern, sozusagen „owned“ statt „paid“ influencing – ein Trend übrigens, der bereits in vollem Gange ist.

Influencer Marketing (II)

Der Schlüssel zum Erfolg liegt nicht immer bei den Karos, Bibis oder Dagis mit 7-stelliger Anhängerschaft. 2018 wird die Erfolgsgeschichte der Micro Influencer fortschreiben. „Micros“ haben meist weniger als 10.000 Follower, dafür sind sie engagierter und kooperationswilliger, ihre Feeds sind nicht voller Werbung, ihre Glaubwürdigkeit bei ihren Followern daher noch ungebrochen. Und nicht zuletzt bieten sie oft mehr „Value-for-less-money“. Mit einem kleinen, aber feinen Netzwerk an Micro-Influencern lassen sich oft erstaunlich gute KPI´s erzielen.

Shopping Inspiration und Shoppable Media

Ads auf Facebook und Instagram sind bewährt als wirtschaftlich attraktive Zuträger für Online-Shops und auch Retail. Immer stärker genutzt werden Videos, Boomerangs oder Galerien, die für emotionalere Shopping-Erlebnisse in Sozialen Netzwerken sorgen. Online-Shops werden stärker als je zuvor von Bildern und Videos profitieren, die direkt mit einer Transaktion per Mausklick verknüpft sind. Fazit: Aus Social Media werden Inspirationsplattformen mit emotionalen Mehrwerten, die die Lücke zwischen „Gefällt mir“ und Kaufentscheidung schließen helfen.

Stories

Buchstäblich eine Erfolgsgeschichte bei Snapchat und von dort ungeniert abgekupfert, haben „Stories“ längst bei Instagram und jetzt auch bei Facebook Einzug gehalten. Aber: sie sind leider nur „ephemeral“, sprich kurzlebig: nach 24 Stunden ist der Story-Content unwiderruflich futsch. „Stories“ sind nicht nur wegen ihrer optischen Präsenz im Newsfeed beliebt. Sie sind ein kreatives Stück Instagram, in dem Bilder, Videos mit individuellen Botschaften versehen eine emotionale Verbindung eingehen und eine Geschichte erzählen. Aber: Kritiker werfen dem Format eine zu geringe Lebensdauer im Vergleich zum Produktionsaufwand vor.

(Live) Videos

Im letzten Jahr schrieben wir: „2016 war der Durchbruch der Live Videos. Video-Content wurde befeuert durch hohe Reichweiten, mit denen Facebook sich gegen Wettbewerber durchsetzen wollte. Diese Entwicklung setzte sich nahtlos bei Live-Videos fort, die nochmals einen ganz anderen Kick für ihre User bereithalten. 2017 wird das Jahr der Live-Videos.“

Die Prognose ist eingetroffen. Wobei sich die von Facebook spendierten hohen Reichweiten aus 2016 in 2017 deutlich abgekühlt haben. Vieles spricht wieder für „klassische“ Videos: Qualität, Gestaltungsmöglichkeiten, Schnitt, weniger Abhängigkeit von schlechten Mobilfunk- oder WLAN-Verbindungen. Irgendwo lasen wir unlängst, dass jeder mobile User angeblich unglaubliche 70 Meter an Newsfeed in seinen Netzwerken durchscrollt. Selbst wenn es nur 7 Meter wären: die Video-Botschaft sollte in den ersten 3-4 Sekunden rüberkommen. Beliebigkeit und Spontaneität im Video-Marketing werden mehr und mehr durch Videos mit Zielsetzung, Strategie und klarem Drehbuch abgelöst. Das pixelige, „spontane“ Wackelvideo war gestern, Qualität und Image werden in den Newsfeed einziehen. Und damit verbunden auch mehr Aufwand bei der Erstellung.

Alles Ads?

Was wird aus organischem, sprich unbezahltem Content? Viele prognostizieren: Facebook wird die organischen Reichweiten weiter zurückdrehen. Unausweichliche Gegenmaßnahmen, erstens: Einsatz von Ads für mehr Reichweite und Interaktion. Zweitens: noch mehr relevanter, hochwertiger Content, um herauszuholen, was geht und was Facebook durchlässt. Videos und Live-Videos sind leider auch keine Garanten mehr für hohe Reichweitenausspielung.

Endgültig verabschieden sollten wir uns vom Fetisch Fanzahl – leider immer noch für manche das herrschende KPI-Paradigma für Erfolg. Die Erkenntnis setzt sich langsam aber sicher durch, dass Reichweite und Interaktion viel wichtigere Indikatoren für den Werbeerfolg sind. Budgets also umschichten und dem Algorithmus ein Schnippchen schlagen ist grundsätzlich sinnvoller als ausschließlich auf immer mehr Fans zu setzen, von denen man ohnehin nicht weiß, ob sie später auch den Content ausgespielt bekommen.

Chatbots?

Mancher prognostiziert, dass weltweit 20% allen Business Content bereits von Chatbots stammt, die immer lernfähiger, smarter und schneller Servicethemen umsetzen und darin wirtschaftlicher sind als ihre menschlichen Pendants. Solange Apples Siri auf unseren iPhones bei den meisten Fragen immer noch ziemlich dämliche Antworten gibt, sehen wir den nahen Durchbruch von Bots eher zurückhaltend. Auch einige Bots von Shops auf dem Facebook Messenger geben nicht unbedingt ein smartes Bild ab. Wie es weitergeht, wenn mehr Intelligenz Einzug in die Bots hält? Man darf gespannt sein.